Ein Regenbogen bei Nacht — das klingt wie ein Widerspruch. Doch der sogenannte Mondregenbogen, auch Mondbogen oder englisch Moonbow genannt, ist ein echtes Naturphänomen. Er entsteht nach exakt denselben Gesetzen wie ein normaler Regenbogen — nur mit Mondlicht statt Sonnenlicht als Lichtquelle.

Wie entsteht ein Mondregenbogen?

Das Prinzip ist identisch mit dem normalen Regenbogen: Licht tritt in Regentropfen ein, wird gebrochen, reflektiert und beim Austritt erneut gebrochen. Statt der Sonne liefert bei Nacht der Mond das Licht. Da Mondlicht nur reflektiertes Sonnenlicht ist — und deutlich schwächer — ist der Mondregenbogen für das menschliche Auge kaum farbig wahrnehmbar. Er erscheint meist weiß oder leicht schimmernd.

Erst auf Langzeitbelichtungsfotos zeigen sich die echten Farben — die Kamera sammelt über mehrere Sekunden genug Licht, um das volle Spektrum sichtbar zu machen.

Bedingungen für einen Mondregenbogen

Die Anforderungen sind streng — deshalb ist das Phänomen so selten:

  • Vollmond oder kurz davor/danach — nur dann ist der Mond hell genug
  • Mond steht tief — unter 42° über dem Horizont (wie die Sonne beim normalen Regenbogen)
  • Regen in Gegenrichtung — das gleiche Prinzip wie tagsüber
  • Klarer Himmel hinter dir — damit der Mond ungehindert scheinen kann

Wo in Deutschland kann man ihn sehen?

Mondregenbögen sind in Deutschland möglich, aber selten. Gute Chancen bestehen bei sommerlichen Gewitterschauern nach einem heißen Tag, wenn nachts noch Schauer abziehen und der Mond aufgeht. Berühmte Mondregenbogen-Standorte weltweit sind die Victoriafälle in Sambia und Simbabwe sowie der Yosemite-Nationalpark in den USA — dort sorgen starke Wasserfälle für konstanten Sprühnebel.

Mondregenbogen fotografieren

Da das Licht so schwach ist, braucht es zwingend ein Stativ. Stelle eine lange Belichtungszeit ein — 15 bis 30 Sekunden sind typisch, bei ISO 800 bis 3200 und Blende f/2.8 bis f/4. Das menschliche Auge sieht möglicherweise nur ein schwaches weißes Band; die Kamera enthüllt dann die vollen Farben. Ein Auslöser oder Timer verhindert Verwacklungen.